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Leute kennenlernen

Mittlerweile sitzen Sie vor Ihrer dritten Mass Bier, als sich ein nettes Pärchen, mangels Platz an anderen Tischen, zu Ihnen setzt. Sie schmettern ein freundliches 'Ja fraili, kenz aich scho heàsetzn' - 'Ja, natürlich, Sie können sich ruhig zu uns setzen' und weisen Ihren "Gästen" einen Platz an "Ihrem" Tisch zu. Schon nach kurzer Zeit entwickelt sich eine Konversation...

     
   

Das ist ein Wetterchen bei uns hier in Bayern, nicht wahr?

Mai, sche is schō, wenn's sche is bai uns in Bayan, is ned aso?

     

Ach, sind Sie etwa von hier?

Aso, san Sie fo dò?

   

Nein, nein, wir sind aus Hamburg, wir haben Bayrisch über das Internet gelernt.

Iwo, mià samma aus Hambuag, mià ham Boàrisch iba's Indanet gleànt.

   

Reisende also. Na, dann seien Sie herzlich willkommen.

Zuàgroàsde oiso. Ja nachad, gfraid's uns, dass do saz.

   

Woher kommen Sie denn?

Und wo san nacha Sie heà?

     

Wir sind hier aus der Stadt, wir wohnen im Lehel.

Mia samma fo dò aus da Schdōd, mia wohna im Lechl.

     
Schau einer an, Stadtmenschen, da können Sie uns sicher ein paar Tipps geben, was man hier so unternehmen kann.

Do schaug heá, Schdōdara, na kenz uns gwiß song, wos ma dò so macha ko.

     
Darauf können Sie sich verlassen. Wir werden Ihnen sagen, wo Sie die schönsten Plätze finden. Dò konsd oan drauf lassn, daß I dià sōg, wo's de schensdn Blatzl findn kenz.
 
 

Mit Ihren neuen Bekannten sitzen Sie noch bis spät in die Nacht im Biergarten. Sie erhalten eine Vielzahl an Informationen, so, wie man sie nur von einem Einheimischen bekommen kann, der seine Stadt in- und auswendig kennt. Mit den neuen Erkenntnissen schmieden Sie Pläne für weitere Unternehmungen.

Erläuterungen zur Lektion

Die bayrische Mentalität besitzt eine völkische Philosophie, die von Realitätsnähe, Schicksalsergebenheit und Einfachheit ebenso geprägt ist, wie von Sturheit, Ignoranz und unerbittlichem Kampfeswillen. Diese spirituelle Einstellung spiegelt sich auch in der Sprache wider, die daraus unvergleichlich schlichte wie wahre Aphorismen am laufenden Band generiert. Das ist einer der Gründe, die es möglich machen, einer Aussage wie z.B. 'sche is schō, wenn's sche is' ('schön ist es schon, wenn es schön ist') einen tieferen Sinn zu verleihen, der unwiderstehlichen Charme besitzt. In diesem Zusammenhang wäre die Übersetzung: 'Es ist sehr angenehm bei schönem Wetter in freier Natur an einem gemütlichen Ort zu sitzen, wo man in netter Runde mit freundlichen Leuten ein gepflegtes Bier trinken kann, man den hübschen Frauen beim Spazierengehen zusehen kann, die Sonne genießt und die warme Frühlingsluft, während die Vögel ihre schönsten Lieder zwitschern und so weiter.....'). In diese Kategorie fallen auch aussagen wie 'Mià san mià' oder 'Weá ko, deà ko' oder 'Es is, wià's is' oder schlicht und einfach 'Ja, mai'. Alle diese Sinnsprüche haben eines gemein: sie komprimieren die bayrische Seele auf ein verbales Konzentrat hoher Dichte.

Als 'Zuàgroàsde' bezeichnet man in Bayern jede Art von dauerhaft oder vorübergehend anwesenden Besuchern, die nicht von innerhalb des sogenannten "Weißwurstäquators", also nicht aus Bayern stammen. Selbstverständlich begegnet man diesen Leuten erst einmal mit Skepsis und es macht keinen Unterschied, ob der 'Zugereiste' aus Frankfurt ist oder aus Belgisch-Kongo.

Die Unterscheidung geht sogar noch weiter. Sehr wichtig ist die Herkunft auch in demographischer Hinsicht: Stadt oder Land spaltet die Bayern genauso wie Anhänger der "60er" oder des "FC Bayern". Deshalb gibt es den 'Schdōdara', den der (Land-)Bayer als arrogant, eingebildet und hochnäsig empfindet.

Ansonsten ist der Bayer ein durchaus kommunikativer Gesprächspartner, der die Vorzüge seines Landes bereitwillig präsentiert.

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